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Spitzboden mit Wohnzimmer | VELUX Magazin

Spitzboden als Wohnraum nutzen

Spitzboden als Wohnraum nutzen

Häufig dient der Dachboden eines Hauses lediglich zum Wäschetrocknen oder als Abstellkammer. Ein häufig genanntes Argument gegen den Ausbau eines kleinen Dachbodens, ist die geringe Höhe. Doch mit etwas Ideenreichtum wird auch aus einem „Kriechboden“ ein gemütlicher Raum. Hier erfahren Sie, wie Sie einen Spitzboden zu Wohnraum umfunktionieren und was Sie dabei beachten müssen.

Allgemeine Bedingungen für einen bewohnbaren Spitzboden

Der Unterschied von einem Spitzboden zum Dachboden, hängt von der Höhe ab. Laut Norm DIN 1055 handelt es sich bei einer sogenannten lichten Höhe von weniger als 1,80 Meter unter einem Sattel- oder Pultdach um einen Spitzboden, auch Kriechboden genannt. Alles darüber gilt bereits als Dachboden. Dieser darf ab einer Raumhöhe von circa 2,30 Metern zum dauerhaften Wohnen genutzt werden und kann dementsprechend auch als eigenständige Wohneinheit ausgebaut werden. Für einen Spitzboden gilt das nicht: Als Wohnraum kommt dieser nur dann infrage, wenn dieser nicht dauerhaft genutzt wird, also beispielsweise in Form eines Kinder-, Schlaf- oder Wohnzimmers. Unabhängig davon ist, ob Sie den Spitzboden selber bewohnen oder vermieten wollen.

Erlaubt ist eine Nutzung als nicht dauerhafter Wohnraum, z.B. als:

  • Hobbyraum
  • Spielzimmer
  • Bibliothek
  • Heimkino
  • privates Büro

Berechnung der Spitzboden-Wohnfläche

Neben der Höhe kommt es bei der Nutzung des Spitzbodens auf die Wohnfläche an. Flächen mit einer Deckenhöhe unter einem Meter gelten nicht als Wohnfläche, bei einer Deckenhöhe zwischen einem und zwei Metern werden 50 Prozent der Fläche zur Wohnflächenberechnung herangezogen. Mit einer Berechnung der Wohnfläche Ihres Spitzbodens können Sie ein Gefühl dafür bekommen, ob sich ein Ausbau wirklich lohnt. Kommen Sie bei Ihren Berechnungen nicht über 10 qm, taugt Ihr Spitzboden wahrscheinlich nur als Abstellraum.

Gesetzliche Vorschriften um Spitzboden als Wohnraum zu nutzen

Da ein Spitzboden eben nicht für reine Wohnzwecke zulässig ist, ist eine Baugenehmigung meist nicht notwendig. Bevor Sie mit dem Ausbau Ihres Spitzbodens beginnen, sollten Sie sich dennoch unbedingt mit eventuellen gesetzlichen Vorschriften auseinandersetzen. Informieren Sie sich bei Ihrem örtlichen Bauamt. Die Vorschriften der jeweiligen Landesbauordnungen unterscheiden sich nämlich in ihrem Inhalt. So sind Sie auf der sicheren Seite, ob eine Genehmigung für Ihren Dachbodenausbau auch bei geringer Höhe notwendig ist.

Diese Vorgaben gelten im Übrigen nicht nur für Hausbesitzer. Auch wenn Sie im Besitz einer Eigentumswohnung sind, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen Ihren Spitzboden ausbauen. Grundvoraussetzung dafür ist ein alleiniges Nutzungsrecht Ihrerseits.

Brandschutzmaßnahmen im Kriechboden

Um im Falle eines Brandes abgesichert zu sein, beachten Sie die Anforderungen an die Rettungswege. Die genauen Vorschriften sollten Sie im Vorfeld bei Ihrem zuständigen Bauordnungsamt beziehungsweise beim Brandschutzamt erfragen. Je nach Ihren persönlichen Gegebenheiten, muss beispielsweise vor dem Fenster ausreichend Platz für die Feuerwehr inklusive Drehleiter zur Verfügung stehen. Darüber hinaus empfiehlt sich das Anbringen eines Brandmelders. Besonders, wenn ein Spitzboden nur unregelmäßig genutzt wird, wird hier ein Brand häufig zu spät bemerkt.

Spitzboden mit Sofa | VELUX Magazin
Ein etwas kleinere Spitzboden kann mit wenigen Möbeln zu einer Leseecke umgebaut werden.

Die baulichen Voraussetzungen

Haben Sie sich über die gesetzlichen Vorschriften und Brandschutzmaßnahmen informiert, gilt es nun, bauliche Voraussetzungen wie Eindeckung, Schornstein und Mauerwerk zu überprüfen. So sollte das angrenzende Mauerwerk möglichst trocken und intakt sein. Finden Sie Feuchtigkeit, Risse oder andere Schäden vor, schauen Sie sich das Mauerwerk gründlich an und beheben Sie Mängel, ehe sie sich weiter ausbreiten. Auch Ihr Schornstein muss intakt und rundum dicht angeschlossen sein. Sind auf Ihrem Dachboden noch keine Leitungen oder Heizungsrohre verlegt, sollten Sie dies nach Möglichkeit nachholen. So steigen zwar die Dachausbau-Kosten, aber eben auch der Komfort.

Weiterhin muss Ihre Dachkonstruktion komplett tragfähig sowie frei von Feuchtigkeit und Fäulnis sein. Auch Schäden durch Schädlinge dürfen nicht erkennbar sein, da diese einen Verfall Ihrer Dachbalken begünstigen beziehungsweise beschleunigen können. Achten Sie dabei besonders auf die Balkenköpfe, da diese elementar für die Tragfähigkeit sind. Lücken in der Dacheindeckung sowie kaputte Ziegel sind ebenfalls nicht zulässig, wenn Sie Ihren Spitzboden als Wohnraum nutzen möchten. Sollten Sie hier Mängel erkennen, müssen Sie diese vor dem Ausbau beheben, beziehungsweise beheben lassen.

Anforderungen Fenster und Dämmung

Um Ihren Spitzboden als Wohnraum nutzen zu können, müssen Ihre Fenster die Anforderungen an den Wärme- und Hitzeschutz erfüllen und intakt sein. Die Anschaffung von Hitzeschutzfenstern oder für diesen Zweck konzipierte Rollos ist dabei lohnenswert, schließlich soll der neu gewonnene Raum bei jeder Außentemperatur angenehm sein.

Auch die richtige Dämmung spielt eine Rolle. Eine gute Isolierung senkt das Risiko auf Feuchtigkeit und damit einhergehend die Schimmelbildung. Dank der sogenannten Energieeinsparverordnung (kurz EnEV) sind die jeweiligen Dämmwerte für Neubauten und Sanierungen genau definiert. Welche Werte für Ihre Immobile gelten, lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten, sondern ist individuell. Im Rahmen der Wärmedämmung können Sie zwischen drei Varianten wählen. Lesen Sie dazu mehr in unserem Artikel über die Dachdämmung.

Ob für die kühle Jahreszeit ein separater Heizkörper notwendig ist, hängt vorrangig von der Größe Ihres Kriechbodens sowie dessen Verwendungszweck ab. Kleine Böden kommen meist ohne Heizkörper aus, bei größeren ist diese Investition allerdings eine Überlegung wert.

Spitzboden mit Treppe | VELUX Magazin
Mit der Treppe gelangt man in ein lichtdurchfluteten Spitzboden.

Treppen für Spitzboden-Zimmer

Häufig sind Dachböden mit einer klappbaren Treppe versehen, um Platz zu sparen. Solch eine Treppe ist für Spitzböden, die als temporärer Wohnraum genutzt werden sollen, meist unpraktisch. Eine platzsparende Alternative ist beispielsweise die Spindeltreppe. Wie der Name erahnen lässt, schlängelt sich dieses Treppenmodell spindelförmig um einen Pfosten nach oben.

Eine weitere Option ist die sogenannte Raumspartreppe. Diese ist meist relativ steil und schmal, wodurch sie verhältnismäßig wenig Platz in Anspruch nimmt. Ein weiterer Vorteil dieser Treppen sind die vergleichsweise geringen Kosten.

Ganz gleich, für welchen Treppentyp Sie sich entscheiden – Sicherheit sollte immer Vorrang haben. Deshalb sollten Sie immer ein Geländer an der Treppe einplanen, besonders, wenn Kinder regelmäßig den Aufgang nutzen. Ein sicherer Zugang zu Ihrem Spitzboden sowie Rettungswege sind unabdingbar und Sie sollten diese bereits in der Planungsphase gründlich miteinbeziehen.

Checkliste: Dachboden ausbauen bei geringer Höhe

Bevor Sie damit beginnen, Ihren Spitzboden als Wohnraum auszubauen, sollten Sie überprüfen, ob Sie an alles gedacht haben. Hier finden Sie daher noch einmal alle relevanten Punkte zusammengefasst, die Sie berücksichtigen sollten:

  • Handelt es sich tatsächlich um einen Spitzboden, beträgt die Deckenhöhe maximal 1,80 Meter?
  • Benötigen Sie eine Baugenehmigung? Das zuständige Bauamt gibt Ihnen diesbezüglich eine Auskunft. Informieren Sie sich zudem über die geltenden Brandschutzvorschriften.
  • Ist die Dachkonstruktion tragfähig, die Eindeckung dicht und intakt?
  • Ist das Mauerwerk trocken und heil?
  • Ist der Schornstein intakt und ordnungsgemäß angeschlossen?
  • Welche Treppe möchten Sie installieren?
  • Wurden bereits Rohre und Leitungen beim Bau verlegt oder fällt dies nun nachträglich an?
  • Muss das Dach zusätzlich gedämmt werden? Wenn ja: Welche Dämmwerte gelten und welche Dämmmethode ist passend?

Nun können Sie kreativ werden und Ihren Spitzboden ausbauen: Ideen zum Gestalten gibt es ebenfalls viele. Schaffen Sie sich Ihren persönlichen Wohlfühlraum, indem Sie vorhanden Platz optimal nutzen.

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